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Warum flüchten Menschen aus Eritrea?

Eritrea war mehr als 300 Jahre osmanische und ägyptische Kolonie, wurde 1890 eine italienische Kolonie, stand ab 1941 unter britischer Verwaltung. 1952 verbündetet sich das Land mit dem Kaiserreich Abessinien. Abessinien (seit ca. 980 v.Ch.) wurde 1974 durch einen Staatsstreich abgeschafft.   Fortan stand Eritrea unter der Herrschaft des Äthiopischen Kaiserreiches, das von Kaiser Haile Selassie regiert wurde. Nach dreißigjährigem Unabhängigkeitskrieg siegten die Rebellen und Eritrea wurde 1993 ein eigenständiges Land. Äthiopien verlor damit seinen Zugang zum Roten Meer!

Eritrea ist eine Diktatur

Kopf der Regierung ist immer noch der ehemalige Rebellenführer Isaias Afewerki. 1993 kämpfte er für die Unabhänigkeit. 1998 stürzte er das Land in einen erneuten Krieg gegen Äthiopien, bei dem es um das Örtchen Badme ging. Badme besteht aus ein paar Lehm- und Backsteinhäusern, die mit Wellblech gedeckt sind.
Dieser Krieg – ohne Sieger – forderte in nur 2 Jahren 100.000 Tote und ruinierte das Land wirtschafltich. Afewerki hat sich seitdem zum uneingeschränkten Herrscher erhoben, der keinerlei Widerspruch dultet. Er selbst sieht sich weiterhin im Krieg, der nie beendet wurde, bei dem es nur zum Waffenstillstand gekommen ist.

Es gibt keine Zukunft für die Leute. Trotz widriger Umstände hat Eritrea große Fortschritte im Bildungsbereich gemacht. Im primären, mittleren und sekundären Bereich erhöhte sich die Einschulungsrate seit 1999 stetig. Dennoch liegt die Einschulungsrate im Elementarbereich nur bei circa 70 Prozent und ist nach Meinung unabhängiger Beobachter sogar zuletzt rückläufig.

Alle Schülerinnen und Schüler müssen seit 2002 ihren Sekundarschulabschluss zentral in einem in der Nähe der sudanesischen Grenze gelegenen Schule in Sawa ablegen. Dort findet auch eine sechsmonatige militärische Grundausbildung statt. Danach können die besten ein Studium an einem der Colleges aufnehmen; der Rest wird zur Ableistung des achtzehnmonatigen (in der Praxis leider unbegrenzten) Wehrdienstes eingezogen. (Quelle: auswaertiges-amt.de, 10/2016). Die Analphabetenrate wird allen Bemühungen zum Trotze auf 40% geschätzt.

Wer der falschen Relegion angehört (vornehmlich eine Pfingstgemeinde) muss mit Haftstrafen rechnen. Deshalb kommen so viele eritreische Christen nach Deutschland. Reisefreiheit gibt es nicht. Wer sich gegen die Regierung stellt, riskiert sein Leben. Die Entwicklungszusammenarbeit wurde von Deutschland 2008 eingestellt.

Hier liegen die Gründe, weshalb jeden Monat bis zu 3000 Eritreer das Land verlassen, das grundsätzlich nicht wirklich arm ist und über Bodenschätze sowie dem lukrativen Zugang zum Roten Meer verfügt.

Die Bevölkerungszahl wird des 124.000 Quadratkilometer kleinen Lands wird auf 5,5 Millionen geschätzt. Im Jahr 2016 sind rund 181 500 Migrantinnen und Migranten aus Eritrea in Süditalien gelandet. (Quelle: https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/asyl/eritrea.html)

So schmeckt meine Heimat

Krämerladen in Griechenland. Foto: Ulrike Richter

„So schmeckt meine Heimat“ – heißt ein Kursblog in meinem DaZ-Kurs bei der SBH-West in Krefeld.
Die Teilnehmerinnen sind begeistert. Erinnerungen an „Mutters Küche“ sind eben besonders. Mit Freunden und Fremden möchte man sie teilen. Sinnliche Erfahrungen austauschen: Gewürze riechen und mit dem Aroma ein wenig die Zeit vergessen.

Ja, es ist ein heikles Thema, über „Heimat“ zu sprechen.

Vorweg gesagt, Ich bringe diesen Begriff keinesfalls mit dem rechtspopulistischen Geplärre in Verbindung, wo es um Macht und Territorien geht!

  • Meine Herkunft, meine Kultur – das ist meine Heimat.

Heimat kann weit weg sein. Heimatorte sind oft nicht mehr vorhanden – aus vielen Gründen.

Heimat bleibt immer im Herzen.

Heimat ist etwas, was jeder Mensch ganz individuell in sich trägt. Es ist der heimatliche Herd, an dem die Mutter (oder sonst wer) den Duft der Welt in die Kindernase steigen ließ. Heimat ist ein Geschmack auf der Zunge – ein besonderer Genuss, den man nie vergisst, eine Wolke aus Gerüchen, ein Sonnstrahl auf einer Mauer – die Arbeit ausschwitzt. Heimat ist das Grün der Bäume, dass ein ganz besonderes Grün ist. Heimat ist das Gemüse, das beim Obsthändler auf dem Tresen liegt oder im Garten wuchs.
Heimat ist eine Musik, die mich glücklich macht.
Heimat ist meine Familie.
Heimat sind meine Freunde.
Heimat ist der Stoff, der mich träumen und lächeln lässt.

Heimat ist: Meine eigene Liebe zum Leben und zu den Menschen, die ich liebe.

In meinem Deutschkurs möchte ich deshalb die Sinne sprechen lassen.

So schmeckt meine Heimat ist ein erster Versuch: Aus der Erinnerung an ein sinnliches Erlebnis, ein WERKZEUG, zu erstellen. Wir halten Erinnerung fest. Wir schreiben sie auf. Wir laden Freunde ein, einen kleinen Eindruck zu gewinnen: riechen, schmecken und … ein bisschen mehr verstehen!

So schmeckt meine Heimat.. DaZ_11.04.17

Kurs: Interkulturelle Kompetenz – ? !

Lesender Mann in Dresden. Foto Ulrike Richter

Wer bin ICH? – Du bist mit ganz individuellen Anlagen irgendwo auf die Welt gekommen und wurdest dann ein Produkt deiner Kultur! Eltern, Land und Leute haben dich geformt.
Bewusst zu sehen, wer dich geformt hat und was mit dir gemacht wurde – das ist die Kunst, wenn du ein Weltenbürger sein willst. Du erkennst, dass du unter anderen Umständen ein ganz anderes Bild von der Welt bekommen hättest. Wenn du dich mit Menschen aller Art vorurteilsfrei austauschen kannst, hast du eine wichtige Fähigkeit im Umgang mit Menschen anderer Kulturen erworben = Interkulturelle Kompetenz.

Was verstehst Du unter Kultur?

Alles vom Menschen gemachte/geschaffene ist Kultur.

  • Heimat und – was die Werte und Normen deiner Herkunft sind: Wie habt ihr gelebt? Was haben die Menschen um dich herum geglaubt? Welche Stellung haben Mann und Frau in der Gesellschaft? Welche Sitten und Bräuche sind dir beigebracht worden?
  • Kunst, Musik und Literatur – Volkstümliches, Kunst und Kultur auf Universitätsniveau oder gar Kitsch…
  • Technik und Wissenschaft
  • Freunde, die eine eigene „Kultur“ mit dir leben: Deine eigene Generation? Innerhalb von Gesellschaften findet man Subkulturen, Menschen, die eigenen Werten folgen und sich anders kleiden, einen besonderen Musikstil kreieren, eigenen Bräuche entwickeln (Hippies, Punker, Rocker, Ökos, Rastafaris und viele mehr).

Warst du arm oder warst du reich? Hast du eine liebende Familie gehabt? Hast du Gewalt oder Krieg erlebt?

Du hast gelernt und dein Wissen ständig vermehrt. Alles, was Du von Menschen gelernt hast und was du aus Büchern und durch Unterricht gelernt hast ist deine „Kultur“. Mit diesen Augen blickst Du in die Welt.

Vorsicht: Du hast eine „Brille“ auf.

  • Du siehst die Menschen und die Welt durch deine Welt-Brille.
  • Du vergleichst Menschen und andere Lebensweisen, Religionen, Ansichten usw.
    durch deine Welt-Brille!
  • Du hast ein „Nationalgefühl“, das sich nach außen hin abgrenzt? (Meine Landsleute sind bessere Menschen als die …)

Fremd leben, will gelernt sein

Keiner verlangt, dass ein Fremder seine Kultur ablegen soll. Wie soll das auch gehen? Aber, wenn ein deutscher Tourist in Shorts, mit Käppi und bloßen Armen in eine Kirche oder Moschee gehen möchte, wird er belehrt.
Es gibt in jeder Gesellschaft Regeln – das fängt schon in der Familie an.

  • Frag dich erst einmal: Warum wollte ich in dieses Land? (Wenn du dort leben möchtest)
  • Erkenne die Grundregeln und frage: Warum ist das so? (Nimm mal deine „Brille“ ab)
  • Sei bereit zu lernen – ohne Deine Kultur zu verlassen. (Habe Respekt vor anders Denkenden)

DEIN Wissen & das Wissen DER ANDEREN = ZUKUNFT.

Frieden unter Menschen heißt Liberalität

Jeder hat in Deutschland das Recht so zu leben, wie er will. Aber, niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland/Art 3).

Auch DU nicht! Du bist ein Mensch mit Rechten. Du lebst in einer neuen Gesellschaft. Du hast auch die PFLICHT, Dich mit anderen Menschen auseinander zu setzen – wie jede/r andere auch!

Zusammen sind wir stark: Kulturen müssen verschmelzen. INTERKULTURELL

Für ein freundliches und friedliches Miteinander – WELTWEIT!

Kurs: Vorstellungs-Gespräch

Mit Rhythmus und Liedern lernt man Vokabel leichter … und mit Spaß!

Sprache bedeutet sprechen. Viele Sprachlerner sprechen aber zu selten in der zu lernenden Sprache. Die Folge: es klingt holprig.

„Ich spreche nicht gut“, sagt ein Schüler. Er schämt sich.
Murat ist sauer. Er möchte mit einem Lehrbuch lernen: Grammatik. Im PerjuF-Kurs soll er erklären: Wie lerne ich gerne.
Warum? „Das ist doch kein Deutsch-Unterricht!“
Mohammed schüttelt den Kopf: „Doch! Ich lerne hier gut, weil ich endlich mal reden kann.“

Zwei Deutschschüler, zwei Meinungen.
Unterschiedliche Lernstrategien (Grammatikalische/Kognitive Lernstrategie (mit Lehrbuch), affektive Lernstrategie (wie lerne ich gerne), soziale Lernstrategie (diskutieren und FRAGEN stellen), meta-kognitiv (selbst den Kopf einsetzen, planen und kontrollieren)

Einen Plan machen
1. Wie lerne ich gerne

Lernstrategie ist: Wie lerne ich gerne! wie lerne ich gut! Hier sind Menschen ganz unterschiedlich.

  • Isha hört gerne erst zu. Dann schreibt sie die Worte auf und wiederholt sie laut…
  • Ali möchte erst die Worte lesen – am besten mit einem Bild. Sie liest deshalb gerne Zeitungen mit Fotos. Sprechen fällt ihr aber schwer.

Jeder Mensch lernt anders: Manche mehr über die Augen, mache mehr über die Ohren, andere müssen etwas machen, um zu verstehen und dann lernen sie ganz schnell.

2. Was ist für mich wichtig

Lernstrategie ist auch: Was interessiert mich? Das muss ich können!

  • Isha möchte Kindergärtnerin werden.
  • Ali interessiert sich für den Gartenbau.

Beide Lerner haben andere Interessen. Beide Berufe haben sehr viele Vokabeln, die man können muss, wenn man eine Ausbildung machen möchte.

Im PerjuF-Kurs gibt kein Buch. Es gibt ein Tagesthema. Zum Beispiel: „Bewerbung“

Wichtig sind Vokabeln, die ich wirklich brauche

Jeder Lerner bekommt ein Handout – ein Arbeitsblatt:

  • Vorstellungsgespräch – Was wird mich ein Meister fragen?

Wir schauen uns das Wort genau an: Vor-Stellungs-Gespräch.

  • Wir untersuchen die Bedeutung.
  • Was für ein Bild erscheint in meinem Kopf, wenn ich das Wort höre, lese und spreche?

Alle Lerner werden zum Thema befragt. Alle Teilnehmer müssen reden. Alle Lerner haben ganz andere Fach-Bereiche.

Fragen beim Bewerbungsgespräch

Jeder hat andere Perspektiven (morphologisch)
Deshalb gibt es „kein Buch für alle“ in PerjuF

Vokabeln werden an die Tafel geschrieben. Jedes Wort wird mündlich erklärt, beziehungsweise, es wird gefragt: Was bedeutet das Wort? Die Lerner müssen wieder antworten – mündlich. Alle lernen – eine/r spricht: Ein Teilnehmer von PerjuF stellt seine eigenen PERSPEKTIVEN vor.

Wir schauen uns das Wort genau an: Vor-Stellungs-Gespräch. Wir untersuchen die Bedeutung.

Was für ein Bild erscheint in meinem Kopf, wenn ich das Wort höre, lese und spreche?

„Was will ein Meister wissen, bevor er einen Praktikanten einstellt?“ – wieder eine Frage!

  • Was interessiert Sie an dem Beruf?
  • Warum möchten Sie in meinem Betrieb ein Praktikum machen?

Diese Fragen werden immer gestellt.

Bei einem Vorstellungsgespräch geht es nur um das SPRECHEN.

Der Meister fragt. Sie müssen antworten. Wenn Sie ein Praktikum, eine Einstiegsqualifizierung (EQ) und sogar eine Ausbildung in Deutschland machen möchten, hilft kein Integrationskurs.

  • Interessieren Sie sich wirklich für den Beruf
  • Lesen Sie Fachzeitschriften (viele gibt es in der Bibliothek/Mediothek)
  • Informieren Sie sich über das Internet (Portale, YouTube, fb-Gruppen etc.)
  • Schreiben Sie Fach-Wörter in Ihr Vokabelheft
  • Machen Sie Praktika – in so vielen Betrieben Ihres Lieblingsberufs – wie möglich
  • VERZETTELN Sie sich nicht – heute der Beruf, morgen der Beruf – das sieht im Lebenslauf SCHLECHT aus!

Übung:

  • Machen Sie einen Plan für ein Vorstellungsgespräch: Stellen Sie sich das Bewerbungsgespräch vor.
  • Schreiben Sie die FRAGEN und IHRE ANTWORTEN auf
  • Lesen Sie laut vor, was Sie geschrieben haben!
  • Verbessern Sie Fehler
  • Trainieren Sie den Text

Grenzenlos frei

Die Allegorie des Friedens. Niederwald-Monument, Rüdesheim am Rhein. Das Denkmal sollte an die Einigung Deutschlands 1871 erinnern. Foto: Ulrike Richter

Interkulturelle Kompetenz

Andere Menschen, andere Sitten. Das ist leichter gesagt, als auszuhalten.

Andere Menschen zu verstehen, ist schwer. Ich verstehe mich ja selbst nicht richtig, sagt Torsten.

Ich sehe, ich fühle ich rieche und schmecke. Ich erlebe die Welt. Mein Nachbar macht das auch.

  • Ich beiße in ein Fischbrötchen – am Morgen. Mein Nachbar, ein Italiener, ist entsetzt.

So einfach ist das… So schwer ist es, andere Menschen, andere Länder, andere Sitten, andere Bräuche, ANDERS zu verstehen.

Wenn Menschen aus Afrika, Amerika, Asien,  Europa etc. – aus dem Orient und dem Okzident – aus dem Abend- und dem Morgenland – zusammen leben, gibt es schöne Erlebnisse und Erfahrungen. Es gibt aber auch Probleme.

  • Ich verstehe die anderen Leute nicht!
  • Du verstehst mich nicht.
  • Ich kann Dich nicht riechen.
  • Du kannst mich nicht angucken.

Und so weiter … Und dann kommen noch schlaue Leute und erklären mir: So ist das richtig! Die anderen leben falsch.

Jetzt ziehe ich eine „Brille“ auf: Die Brille hat ein „Gut“ und ein Glas „Böse“. Mit der Brille laufe ich durch die Stadt und sehe was ich sehen will: Gut&Böse.

Vorsicht: Die „Selektive Wahrnehmung“ hat dich am Kragen. Du bist nicht mehr frei.

STOPP! So kommst Du nicht weiter!?

  • Doch: Du triffst Leute, die auch so gucken…
  • Doch: Du bleibst alleine und wirst traurig!

Zieh die „Brille“ ab. Guck mal: Die Leute sind fröhlich, warum? Die Leute verdienen Geld – warum? Die Leute haben Probleme – …. So wie Du auch!

Menschen – wie Du und Ich!

Interkulturelle Kompetenz – Mit Anderen klar kommen

Das Pantheon in Rom wurde gebaut als Tempel für alle Götter. Daher auch sein Name: Aus dem griechischen pan (=“alle“) und théos (=“Götter“) Errichtet wurde es auf dem Marsfeld um 125 n Chr. Foto: Ulrike Richter

 

Murat kommt aus der Türkei. Mohammed kommt aus Syrien. Piki kommt aus Israel. Michael kommt aus Eritrea, ich bin in Nordrheinwestfalen geboren und alle leben wir in … Deutschland.

Wir haben alle eine andere Religion. Wir hatten alle eine andere Kindheit. Wir haben alle… völlig andere Bilder im Kopf. Wie nur, wie??? sollen wir miteinander leben?

  • Einer isst kein Schweinefleisch.
  • Eine möchte kein Kind mit der Mutter (keine Milch zum Rindfleisch).
  • Einer will Ramadan nicht so viel arbeiten.
  • Eine möchte in Shorts zur Schule gehen, ohne angebaggert zu werden.

Gemeinsamkeiten entdecken

Deutschkurs-Exkursion: Eine Gruppe junger Flüchtlinge – Moslime und Christen – besuchte die Krefelder Dionysius-Kirche. Hier wurde gerade die Tafel für bedürftige Menschen aufgebaut – Essen für alle, egal ob gläubig oder nicht. Und hier kamen wir mit Gemeindemitgliedern und Menschen aus vier verschiedenen  Glaubensrichtungen ins Gespräch:

  • Was ist Glauben?
  • Wie praktizieren wir Glauben?
  • Warum streiten wir uns über Glauben?
  • Warum Glaubenskriege?

Es gibt einen kleinen gemeinsamen Nenner, der Juden, Christen und Moslimen als Ausgangspunkt für Diskussionen dienen kann: Das Buch Abraham. Dieser Ansatz wird bereits in Fachkreisen gerne zum Streitgespräch. Aber warum? Will Religion denn nicht Frieden und Glück für die Menschen?

Das Problem sind immer und überall die Fundamentalisten. Die Kreuzzüge der Christen waren mindestens so grausam wie der Terror des IS. Radikale Vertreter jeder Glaubens- und Meinungsrichtung stiften Unfrieden.

Krieg bringt nichts außer Elend, Leid, Zerstörung und Tod. Darum flüchten die Leute.  Laut UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR sind weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Wohin? Und was dann?

Interkulturelle Kommunikation = Interkulturelle Kompetenz  heißt: Lass uns miteinander respektvoll reden und tolerant umgehen. Jeder soll  glauben und rücksichtsvoll leben, wie und was er will:  sonst gibt es Streit und Krieg.

Polizei vor dem Pantheon in Rom – aus Angst vor Terror Foto: Ulrike Richter

 

Ich sehe was, was Du nicht siehst…

Bild: Ulrike Richter – Acryl auf Leinwand

 Interkulturelle Kompetenz

Ich sehe was… – Stimmt. Jeder hat andere Augen. Ich gucke mit meinen Augen in die Welt.

Aber, wenn es nur die Augen wären, wäre ich ein Frosch. Um zum Prinzen zu werden brauche ich einen Kopf. Der Kopf guckt mit.

  • Und der Kopf denkt – dazu sollte der Kopf ja da sein.
  • Der Kopf hat auch gelernt. Dazu sollte der Kopf auch da sein.
  • Und der Kopf bestimmt. Dazu sollte er zwar dienen, aber… Jetzt muss Mensch die Schaltzentrale einstellen.

Was mir gut gefällt, das sehe ich immer zuerst.

  • Manu mag Pflanzen : sieht die ersten Frühblüher.
  • Andrea mag Motorräder: Kann jede Marke unterscheiden.

Ami hat Angst vor Menschen: Sieht in jedem Gesicht, ob man ihn mag…

Stimmt das alles, was ich sehe?

Bei den Blumen und Fahrzeugen ist es gewiss richtig.
Ob Ami Gesichter/Mimik wirklich richtig versteht?

Ami hat Angst.

Das ist sein Problem. Die Angst liegt wie ein Filter auf seiner Seele.

Ami muss die Angst überwinden.

  • Erst dann kann Ami angstfrei auf andere Menschen zugehen.
  • Erst dann kann Ami verstehen.
  • Erst dann kann er mit Menschen sprechen.
  • Erst dann kommt Ami auch in einer fremden Gegend an.

Interkulturell – heißt: mit vielen Nationen zusammen zu leben. Mit anderen Menschen zusammen zu leben, heißt, ich muss andere Menschen respektieren. Die Kultur muss ich nicht gut finden. Ich darf auch sagen: Bitte, seit leiser. Bitte, kocht nicht ohne zu lüften. Bitte, …  Bitte ist Respekt. Ich finde etwas nicht gut, aber ich sage es. Ich gebe Respekt. Ich verlange auch Respekt. Der andere muss die Musik leiser machen. Die Familie muss den Geruch aus dem Haus schaffen… Respekt.

Verstehen kommt später!

Der Tischler aus Syrien

Der Traum des Tischlers

„Ich bin Tischler“, erklärt ein stolzer Familienvater aus Syrien. Ja, er war einmal ein selbstständiger Tischler in seiner Heimat. Er versteht sein Handwerk. Er kann Tische und Schränke bauen. Ein Tischler ist in Syrien ein wichtiger Handwerker.  Der stolze Tischler sieht sich schon in Deutschland sein Handwerk machen… Er sieht sich als gut verdienenden Handwerker.

Er träumt.

Der syrische Tischler hat seine Berufsvorstellung auf Deutschland übertragen. Er schaut durch seine „Interkulturelle Brille“ und hat sich nicht richtig informiert.

Tischlereien in Deutschland

  • kleine Unternehmer, die einer Leidenschaft in Holz nachgehen.

Beispiel: Unser Tischler machte ein Praktikum bei einem Antiktischler. Der Meister restauriert alte Möbel und erklärt dem syrischen Tischler: Wer eine Stunde als Handwerker arbeitet, muss mindestens 50,- Euro verdienen. Um einen schönen Tisch zu bauen, brauche ich einen Tag. Wer wird mir diesen Tisch bezahlen? Im Möbelhaus gibt es Holztische schon für 20,- Euro.
Die schöne Handwerkskunst bringt leider zu wenig Geld, um neben dem Chef auch noch einen Angestellten zu bezahlen.

  • mittelständische Unternehmen, die im Auftrag meist teil-industrialisierte Arbeit machen.

Beispiel: Ein Baumarkt bestellt 3.000 Badezimmerschränke in der Werkstatt des mittelständischen Unternehmens. Jetzt müssen diese Schränke möglichst schnell produziert werden – und alle müssen absolut identisch sein. Der Syrische Tischler macht ein Praktikum und arbeitet an Maschinen, wo er immer gleiche Arbeiten verrichtet: 3000 genormte Schrankböden ausschneiden oder 12000 Scharniere an die Schranktüren schrauben.  Er arbeitet außerdem in zwei Schichten.

  • Schichtarbeit: Eine Gruppe fängt um  5.0o Uhr an. Eine andere kommt um 13.00 Uhr und löst die die Gruppe ab. Jede Woche wird in dieser Firma die Schicht gewechselt.

Der syrische Tischler ist erstaunt und erschrocken. So hat er sich seine Arbeit in Deutschland nicht vorgestellt. Aber er musste einsehen, dass ein syrischer Tischler in Deutschland kein Handwerksmeister ist.

Was kann der syrische Tischler in Deutschland tun?

  • Er macht eine Ausbildung.
    Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Er hat anschließend einen Gesellenbrief und darf sich Tischler nennen.
  • Er fängt als Arbeiter an.
    Als Arbeiter kann er nach ein paar Jahren Berufserfahrung auch einen Gesellenbrief machen.

Unser Tischler  nimmt die Arbeit in der mittelständischen Möbelfabrik an. Hier verdient von Anfang an genug Geld für seine Familie. Außerdem braucht sich erst mal keine Sorgen bezüglich des Sprachniveaus zu machen. Nach ein paar Jahren will er dann die Prüfung ablegen…

Ein syrischer Tischler träumt

… Später will er Meister werden. Und dann, eines schönen Tages werde ich meine eigene Tischlerei in Deutschland aufmachen, denkt er sich. Einen Familienbetriebe, mit ihm als richtigen Meister! – so, wie es die Handwerkskammer wünscht: Sonst könnte ja JEDER kommen…

 

Schimmel im Bad

Hier findet ihr eine Geschichte. Kein Märchen …

Nennen wir ihn:… Ali.

Er ist froh, dass er eine Wohnung hat. Die Wohnung hat er von einem „Freund“ übernommen. Der „Freund“ hat ihm dafür 400,- Euro abgeknöpft. Kein Freund…, nur ein Mensch, den Ali mal irgendwo kennengelernt hat, und der ihm jetzt „hilft“.

Kernproblem 1

Ali hat jetzt das  Zimmer mit Balkon – so steht es im Mietvertrag.
Der Balkon geht zur Straße raus. Hier ist viel Verkehr.
Es gibt viele Tauben, die kommen jeden Tag und kacken alles voll.
Ali benutzt den Balkon kaum. Hier ist es laut. Es ist zugig (viel Wind). Es ist dreckig.

Ali will den Tauben-Dreck wegmachen. Er darf keinen Schlauch verwenden. Es gibt keine Ablaufrinne. Der Dreck würde die Hauswand entlang laufen.
Ali weiß nicht, was er machen soll. Er lässt die Balkontür zu und die Tauben kommen und „kacken“. Und Ali guck zu. Er ist hilflos.

Meistens stellt Ali das Fenster auf Kipp.

Ali hat nur ein ein Zimmer. Wenn man die Haustür herein kommt, ist links der Eingang zum Bad. Das Bad hat eine Dusche, ein Waschbecken und ein Klo. Es gibt kein Fenster.
Es gibt einen Lüfter. Der Lüfter wird über den Lichtschalter bedient. Drücke ich auf den Schalter, geht auch der Lüfter an: summ…

Der Lüfter summt. Aber funktioniert er auch?
Ich nehme ein Blatt und halte es vor den Ventilator. Klebt das Blatt am Ventilator, saugt er Luft an?

  • Nein!
  • Der Lüfter ist kaputt.

Kernproblem 2

Ali hat keine Waschgelgenheit

  • Er hat in der Wohnung definitiv keinen Platz für eine Waschmaschine
  • Er darf im Keller keine Waschmaschine hinstellen
  • Es gibt 5 Waschautomaten (50Cent/15 Minuten) – 4 Automaten – für ca. 300 Leute – sind kaputt!

Kernproblem 3

  • Ali muss die Wäsche mit der Hand in der Wohnung waschen
  • Er duscht und wäscht sich auch.

In Alis Wohnung bilden sich dunkle Flecken: Schimmel.

Schimmel ist gefährlich für die Gesundheit. Aber, was soll Ali tun?

  • Jeder Bewohner einer Mietwohnung hat ein Recht auf eine Waschmaschine.
  • Der Vermieter hat 5 Waschmaschinen für ca. 300 Personen mit Münzautomat zur Verfügung gestellt.
  • von 5 Maschinen sind 4 Maschinen kaputt.
  • Diese (und die kaputten) Maschine soll pro Waschgang mit 50Cent pro 15 Minuten bestückt werden.

Ali hat wenig Geld. Ein Waschsalon ist teuer. Er wäscht in der Wohnung mit dem kaputten Ventilator, hängt dort die feuchte Wäsche auf…

… Ali wird krank….

Und Ali verliert den Glauben an Welt…
Aus dem syrischen Krieg ins deutsche …. ?

 

 

Optischer Lernzirkel – eine Methode

Plakate und „Postis“ mit Fachworten

Das ist eine Ansage:

Die deutsche Sprache ist immer um dich. Mach Worte um dich. Lebe nicht mehr ohne AnSAGE:

Verstärke den Effekt: Be-nenne Gegenstände mit dem Namen.

  • An den Wänden hängen Plakate mit Darstellungen von Werkzeugen, darunter der deutsche Begriff. Hänge es überall  in der Wohnung auf,
  • wo du“vor dich hin sinnst“: Im Klo, an der Haustür, neben dem Bett….
  • Du machst ein Foto von einem Plakat mit Untertiteln und hast es auf dem Mobil.

Dein Lernauftrag ist immer da, wenn du die Augen aufmachst…

Posti

Ein Posti ist ein kleiner Zettel, der klebt. Klebte Postis überall in deiner Wohnung. Schreibe „Kühlschrank“ auf den Posti und häng das Zettelchen an den Kühlschrank. (Wenn Besuch kommt, klebst du die Postis alle zusammen und hängst sie anschließend wieder auf… auch das hilft, weil du wieder alle Posti`s ordentlich an die Gegenstände hängen musst.)

Der Kühlschrank „spricht“ zu dir und alle anderen Gegenstände mit „Posti“ auch.

Das Bild ist „böse“… aber, das Posti ist „na ja“, richtig. Poste Postis auf Deine „Tür“, den „Kleiderschrank“ und …überall hin

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