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Der Tischler aus Syrien

Der Traum des Tischlers

„Ich bin Tischler“, erklärt ein stolzer Familienvater aus Syrien. Ja, er war einmal ein selbstständiger Tischler in seiner Heimat. Er versteht sein Handwerk. Er kann Tische und Schränke bauen. Ein Tischler ist in Syrien ein wichtiger Handwerker.  Der stolze Tischler sieht sich schon in Deutschland sein Handwerk machen… Er sieht sich als gut verdienenden Handwerker.

Er träumt.

Der syrische Tischler hat seine Berufsvorstellung auf Deutschland übertragen. Er schaut durch seine „Interkulturelle Brille“ und hat sich nicht richtig informiert.

Tischlereien in Deutschland

  • kleine Unternehmer, die einer Leidenschaft in Holz nachgehen.

Beispiel: Unser Tischler machte ein Praktikum bei einem Antiktischler. Der Meister restauriert alte Möbel und erklärt dem syrischen Tischler: Wer eine Stunde als Handwerker arbeitet, muss mindestens 50,- Euro verdienen. Um einen schönen Tisch zu bauen, brauche ich einen Tag. Wer wird mir diesen Tisch bezahlen? Im Möbelhaus gibt es Holztische schon für 20,- Euro.
Die schöne Handwerkskunst bringt leider zu wenig Geld, um neben dem Chef auch noch einen Angestellten zu bezahlen.

  • mittelständische Unternehmen, die im Auftrag meist teil-industrialisierte Arbeit machen.

Beispiel: Ein Baumarkt bestellt 3.000 Badezimmerschränke in der Werkstatt des mittelständischen Unternehmens. Jetzt müssen diese Schränke möglichst schnell produziert werden – und alle müssen absolut identisch sein. Der Syrische Tischler macht ein Praktikum und arbeitet an Maschinen, wo er immer gleiche Arbeiten verrichtet: 3000 genormte Schrankböden ausschneiden oder 12000 Scharniere an die Schranktüren schrauben.  Er arbeitet außerdem in zwei Schichten.

  • Schichtarbeit: Eine Gruppe fängt um  5.0o Uhr an. Eine andere kommt um 13.00 Uhr und löst die die Gruppe ab. Jede Woche wird in dieser Firma die Schicht gewechselt.

Der syrische Tischler ist erstaunt und erschrocken. So hat er sich seine Arbeit in Deutschland nicht vorgestellt. Aber er musste einsehen, dass ein syrischer Tischler in Deutschland kein Handwerksmeister ist.

Was kann der syrische Tischler in Deutschland tun?

  • Er macht eine Ausbildung.
    Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Er hat anschließend einen Gesellenbrief und darf sich Tischler nennen.
  • Er fängt als Arbeiter an.
    Als Arbeiter kann er nach ein paar Jahren Berufserfahrung auch einen Gesellenbrief machen.

Unser Tischler  nimmt die Arbeit in der mittelständischen Möbelfabrik an. Hier verdient von Anfang an genug Geld für seine Familie. Außerdem braucht sich erst mal keine Sorgen bezüglich des Sprachniveaus zu machen. Nach ein paar Jahren will er dann die Prüfung ablegen…

Ein syrischer Tischler träumt

… Später will er Meister werden. Und dann, eines schönen Tages werde ich meine eigene Tischlerei in Deutschland aufmachen, denkt er sich. Einen Familienbetriebe, mit ihm als richtigen Meister! – so, wie es die Handwerkskammer wünscht: Sonst könnte ja JEDER kommen…

 

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